Es war einmal…

Gerhard Münnich – ein Quakenbrücker Original
Bericht verfasst von Heiko Bockstiegel

 

Alte Originale, Menschen also, die durch ihr Äußeres, durch ihren Witz und Humor oder durch ihre Lebensweise von ihren anderen Mitmenschen abstechen, hat es auch in Quakenbrück und Umgebung stets gegeben. Ein solches Original war „Münnichs Wupp“, der Auktionator und Prozessagent Gerhard Münnich, der einer alteingesessenen Familie entstammte.
Der Umstand, dass sein rechtes Bein einige Zentimeter kürzer war als das linke und er infolgedessen ein wenig „in die Kuhle trat“, trug ihm den Spitznamen „Münnichs Wupp“ ein. Und so durften ihn seine Freunde auch ansprechen, ohne dass er ihnen diese Bezeichnung übelnahm. Münnich, am 27. August 1846 im Haus Kreuzstraße 13 als Sohn des Kunstmalers und Zeichners Franz Münnich geboren, war schon eine Type für sich. Schon sein Äußeres, speziell sein stattlicher, im Alter ergrauter Vollbart, zog die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen auf sich. Um die Jahrhundertwende (1900) spielte Münnich eine wichtige Rolle in Quakenbrück, denn infolge des großen Vertrauens und der Achtung, die er in der breiten Öffentlichkeit genoss, wurde er in das Bürgervorsteherkollegium gewählt und gehörte diesem von 1899 bis 1912, zeitweise sogar als Worthalter (Vorsitzender), an. „Stets wusste er, unterstützt von seinem Freund und Schützenbruder, Tischlermeister Friedrich Renzenbrink, seine Meinung zur Geltung zu bringen“, so heißt es in der Chronik.
Gerhard Münnich, der auf dem Amtsgericht in Bersenbrück das Rechtskonsulentenfach (Rechtsbeistand) erlernt hatte und als Auktionator und Mandatar große Holzauktionen zumeist bei Gieske in Talge abhielt, machte in seinem Äußeren wohl den Eindruck eines knurrigen Menschen, der seine Mitbürger, auch ohne besonderen Grund, grob anfahren konnte. Aber unter seiner rauen Schale steckte doch ein guter Kern, ein gerader, offener Charakter. Er war ein echter Niedersachse von altem Schrot und Korn, der so manchem Quakenbrücker mit seinem Schalk nicht selten einen Streich spielte.
Dank des großen Vertrauen war „Münnichs Wupp“ auch Vertreter der Landwirtschaftlichen Brandkasse, Mitbegründer und stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Spar- und Bauvereins Quakenbrück eGmbH, Rechnungsführer der Markgenossenschaft seit Gründung und schließlich mehr als 20 Jahre Verwalter der Annahmestelle Quakenbrück der Kreissparkasse Bersenbrück, die sich in seiner Wohnung Kreuzstraße 13 befand und nach seinem Tode von seiner Nichte Frieda Brodtmann, geb. Münnich, übernommen wurde.
Besonders engagiert zeigte sich Münnich, der „eingefleischter Junggeselle“ blieb, im Schützenverein von 1589, dem er bereits seit 1865 angehörte und in dem er jahrelang als Revisor fungierte. Von 1901 bis 1907 war er „Finanzminister“, und 1903 gelang ihm sogar der Königsschuss. Der damalige Reichstagsabgeordnete Dr. Otto Hugo amüsierte sich dabei so sehr, dass er spontan ein Gedicht verfasste, welches den schalkhaften Charakter Münnichs exakt traf. Es heißt darin unter anderem: „Trotz der vielen Schützenorden ist er besser kaum geworden in der Zeiten Wechsellauf. Ach gar manches tolle Stück leistet er in Bersenbrück … Ging er mal nach Quakenbrükke, kehrt er nimmermehr zurücke, ohne dort was ausgeheckt. Und so hat er lange Jahr‘ – was ich sage das ist wahr – fromme Leute sehr erschreckt.“
Sein verdienstvolles, 50-jähriges Wirken für den Schützenverein trug Gerhard Münnich an seinem Geburtstag 1915 die Ehrenmitgliedschaft ein – statt Schützenfest zu feiern, denn der Erste Weltkrieg war ausgebrochen. Als er am 2. Juli 1916 verstarb, wurde der Vorstand des Schützenvereins durch eine Testamentsabschrift davon in Kenntnis gesetzt, dass Münnich dem Verein ein Legat in Höhe von 600 Mark vermacht hatte mit der Bestimmung, „dass von den Zinsen alljährlich auf dem 300 Mtr. Stand ein Preis ausgeschossen werden soll.“ Außerdem enthielt das Testament den etwas holprig formulierten Passus, „dass, wenn, abgesehen von Krieg und sonstigen Ereignissen, in 2 Jahren kein Schützenfest gefeiert wird, so soll das Vermächtnis der evangl. Sylvester Kirche hier überwiesen werden.“ Das Kapital, heute umgerechnet 3.120 Euro, wurde denn auch bei der Kreissparkasse auf das Kriegsanleihesparbuch „belegt“, um nach beendetem Krieg alljährlich durch seine Zinsen das Ausschießen des „Münnich-Preises“ zu ermöglichen. Wie lange dieses geschah, ist leider nicht mehr bekannt, doch heißt es im Bestandsbuch des Schützenvereins schlicht: „Dieser Betrag ist bei der Inflation entwertet.“
Auf dem Evangelischen Friedhof ist noch immer seine Grabstätte mit einem weithin sichtbaren Obelisken zu sehen. Gerhard Münnich ist hier neben seiner Mutter und einer seiner Schwestern beigesetzt.
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